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Steffi Graf von 1983 bis 1999 in „Roland Garros" und 2018 zusammen mit Andre Agassi als Werbe- und Markenbotschafter für Longines in „Roland Garros unterm Eiffelturm."
Steffis Pariser Liebesgeschichte
Roland Garros 1987 war für Stefanie „Steffi" Maria Graf der Wahnsinn. Die damals 17 Jahre und 11 Monate alte Steffi holte bei den French Open in einem Alter, was nie zuvor eine Spielerin in Paris geschafft hatte, ihren ersten Grand-Slam-Titel und bezwang im Endspiel die weltbeste Tennisspielerin Martina Navratilova. Was danach kam, war eine einmalige Erfolgsgeschichte - die kleine Steffi war die Spielerin der Zukunft und Paris der großartigste Spielplatz ihrer Karriere.
Dass es zu so einem phänomenalen Sieg kommen konnte, war aber eigentlich gar keine Überraschung, denn die junge Steffi war ein Wunderkind. Der Reporter erinnert sich an München, als er die damals 6-Jährige zum ersten Mal spielen und gewinnen sah. Beim Sport-Scheck „Zwergel-Turnier". Wow - sie spielte für ihr Alter geradezu himmlisch. Ich verlor Steffi nicht mehr aus den Augen und verfolgte ihren Werdegang. Man erzählt, sie habe mit drei Jahren von ihrem Papa einen abgesägten Tennisschläger bekommen, um Bälle in Brühl im Wohnzimmer über Stühle und Sofa an die Wand zu spielen, wobei Steffi viel Spaß hatte.
Das war aber nur der Anfang. Peter Graf, ein Autohändler, Versicherungsmann und Tennistrainer, sah gleich das Talent und träumte nicht nur von einer großen Tenniskarriere seiner Tochter, sondern plante eine, indem er sie akribisch, behutsam, clever, gekonnt und vernünftig dafür aufbaute. Er gab 1979 seine Berufe auf und kümmerte sich nur noch um Steffi und ihr Tennis. Zum Trainieren für sein Töchterchen waren Mädchen nicht gut genug. Es mussten spielstarke Jungs sein - wie Hans Engert ein Top-Spieler von Mannheim. Denn, so der Papa: „Steffi muss schneller und härter spielen, um die andern zu schlagen." Mit Boris Breskvar hatte sie auch noch im nahegelegenen Badischen Leistungszentrum, wo auch Boris Becker trainiert wurde, einen der besten Trainer der Welt. Nicht genug. Peter Graf verpflichtet für das Kind auch gleich noch Pavel Slozil, einen tschechischen Ex-Daviscupspieler
Bei so viel Aufwand und Steffis Hingabe und Feuer für Tennis blieben Erfolge nicht aus. Wie stark Steffi als Teeny bereits war, wird einem klar, wenn sie auf Ergebnisse bei Trainingsmatches mit Pavel Slozil angesprochen antwortet: „mal zwei, mal eins". Ja aber: nur ein, zwei Spiele im Satz für Pavel. Im Jahr 1982, mit 13 Jahren, war Steffi nicht mehr zu bremsen und wurde Tennis-Profi.
Von da an stand Paris mit den French Open immer auf ihrem Turnierkalender. Man denkt, als Steffi mit 13 Jahren zum ersten Mal im Hauptfeld mitspielt, das wird noch nichts. Von wegen. Sie gewann gleich die erste Runde gegen die Schwedin Carina Karlson und ist bis heute die Jüngste, die ein Match bei den French Open gewann. Gespannt verfolgt man im Jahr darauf, was diesmal geht. Na klar, zwei Siege und bis in Runde drei. Schon verrückt, wie Steffi sich von Jahr zu Jahr in Roland Garros und nicht nur da steigerte. Sie war doch noch ein Kind. Man sah sie nach Niederlagen auch mal weinen. Aber nicht oft, denn sie hat schnell gelernt, ein echter Profi gibt sich keine Blöße und zeigt keine Schwäche.
Man hatte das Gefühl, die Erfolge werden zur Sucht. Gleich im nächsten Jahr kommt die 15-Jährige in das Roland Garros-Achtelfinal. 1986 wieder eine Runde weiter bis in das Viertelfinale, wo sie erst von der Weltranglistendritten Hana Mandlikova gestoppt werden kann. Klaus Hofsäß, der deutsche Fed-Cup-Kapitän, war von der 16-Jährigen fasziniert: „Steffi ist ein Tennis-Juwel mit Killerinstinkt." Was mir imponierte, waren schon damals, neben ihrer Willenskraft, Unbekümmertheit und ihrem kompletten Spiel, drei besondere Waffen für ihr Tennis: die druckvolle, aggressive Vorhand, weshalb Steffi für Navratilova und andere Topspielerinnen das „Fräulein Vorhand" war - Steffis Beinarbeit, weil sie leichtfüßig immer in Bewegung war - und Steffis einmalige Fitness.
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